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[ zurück ] Ein Ausdruck ...

Fire and forget ist ein Ausdruck, der für die Kriegsführung mit ferngelenkten Waffensystemen benutzt wird. Ist das Ziel einmal in seinen Koordinaten erfaßt, kann jederzeit gefeuert werden, die Waffe findet dann ihr Ziel "von selbst" und kann "vergessen" werden. Fernlenkwaffen sind der aktuelle technische Endpunkt einer Haltung, die in allen Lebensbereichen waltet.

Im zivilen Leben erstellen wir unsere Koordinatensysteme durch Statistiken, die ihren Anwendern zeigen sollen, was sie wann wohin "abfeuern" können, wie ein Vorhaben seine Zielgruppe findet und zum "Selbstgänger" wird. Dabei soll auch die "softe" Form der Statistik nicht unerwähnt bleiben: die (bisweilen sogar repräsentative) Umfrage, die meist durch ein Multiple Choice Verfahren in einer Auswahl vorformulierter Antworten suggeriert, was am Ende an Daten erhoben werden soll. Die nicht erhobenen Zwischentöne kreativ ausgespart, bleibt dann so manches als "gar nicht existent" auf der Strecke. Die etwas andere Art von "collateral damage" [1]. In besonders kritischer Einstellung kann auch behauptet werden, dass das (mutwillige) Ausblenden von (unerwünschten) Inhalten aus Statistiken und Umfragen einem "friendly fire" [2] gleich kommt.

... eine Einsicht ...

Create and forget könnte der zusammenfassende Ausdruck für den immer unbändiger geförderten Gestaltungswillen heißen, der den neuerlichen Hype der "Kreativität" [3] begleitet. Neue Märkte und neue Zielgruppen: Ja nichts verpassen!

Ist erst eine Zielgruppe erfolgreich ausgemacht und dazu ein Produkt kreiert, das womöglich noch instant gratification garantiert, gibt es kaum noch ein Halten. Der Erfolg rechtfertigt, schädliche Nebenwirkungen auszublenden, oder mutwillig zu vergessen. Unter dem Wachstumsparadigma zählen allein die gelandeten Treffer.

... und ein Vorhaben

Für die auf diese Internetseite sporadisch eingestellten Beiträge künstlerischer Praxis ist die Untersuchung des Begriffspaars "create and forget" wesentlich. Im Mittelpunkt stehen eben die "Nebenschauplätze", die im Betrieb nur wenig berücksichtigt werden und gerne als "privat" und/oder nicht kultur- oder kunstrelevant eingestuft werden. Der erste Versuch einer konkreten Protokollierung beginnt mit einer Reise nach München Ende Juli 2011, danach sind wir in Basel und 2012 in Ruhrort ...

Fußnoten

[1] collateral damage (Kollateralschaden / Begleitschaden) bezeichnet am Rande kriegerischer Handlungen entstandene Schäden, die nicht beabsichtigt waren.

[2] friendly fire (Eigenbeschuß) bezeichnet den versehentlichen Beschuß der eigenen oder verbündeten Truppen bei Kriegshandlungen.




[3] Kreativität ist als Ausdruck für künstlerische Handlungen verpönt, da ja potentiell jede eigenständige Leistung "kreativ" ist und eine Differenz zur Kunst im Besonderen nicht gegeben ist. Nachdem 2002 ein gewisser Richard Florida das Buch "The Rise of the Creative Class" verfaßt hat, glaubt weltweit jede Kommune, eine "Kreativagentur" zur Förderung der für den Wettbewerb angeblich unerläßlichen kreativen Klasse einrichten zu müssen. Die Förderung der Kunst (die kaum als "Geschäftsmodell" realisierbar ist), bleibt dabei aber meistens außen vor. Im Fokus dieser Auffassung von "Kreativität" stehen Designer, Internetfirmen, Gamer, denn von ihnen wird angenommen, dass die Förderung bald als Steuern in den Haushalt zurück fließt. Diesen globalen Prozess nennt man auch "Floridarisierung" ...

 

Paradigmenwirtschaft

[ 2011-07 ] Fluchtmotiv
[ 2011-09 ] Kümmermotiv
[ 2012-09 ] Heimatmotiv

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