** zur Übersicht

 
[* 2011-06/07 Vorbereitungen ]

Einfach mal verreisen, den "Job" immer mit im Kopf. Dafür braucht es laut Beschluß eine repräsentative Behausung, die mitreist - outsourcing in eine 100 prozentige Tochter. Der tägliche Tunnelblick und die Hallen der Abfahrt und Ankunft geben die Architektur vor: Ein Tunnelsegment, der Bogen einer Bahnhofshalle. Die im Handel erhältliche Gestängenlänge aus Fiberglas von 6 Metern, Durchmesser 9,5 cm gibt die Größe vor:

U = π ⋅ d und U / π = d und r = U / π / 2

Damit ist geklärt: Der Kreisbogen misst im Umfang 12 Meter, die Breite d des Objekts also 3,82 Meter, die Durchgangshöhe r misst 1,91 Meter. Zwei Tunnelsegmente bei einer Bahnbreite für die Decke (Maltuch, 150 g/m2) von je 1,6 Metern ergibt eine Grundfläche von 3,82 ⋅ 3,20 Metern: 12,25 qm.

Die verwindungssichere Stabilität der Bodenfläche sichert pro Segment ein Rechteck aus Stoffbändern, diagonal verstrebt, mit Einstecklaschen für das Gestänge an allen vier Ecken und einer Öse zur optionalen Verankerung im Boden mittels Heringen.

Die Decke ist mit einem Raster aus Schlaufen versehen, die das Anbringen unterschiedlichster Objekte ermöglichen. Zu gewichtig sollten die "Inhalte" aber nicht sein, damit die Konstruktion nicht in sich zusammenstürtzt. Zwischen Boden und Deckenbeginn bleibt ein Spalt von 35 Zentimetern. Die Deckenfläche pro Segment beträgt also 5,3 ⋅ 1,6 Meter, bei derzeit 2 Segmenten insgesamt ca. 17 qm.



[ Bilderschau ]

Die Standfestigkeit ist durch Abspannungen am EIn- und Ausgang gesichert, die Seitenwände werden ebenfalls zum Boden hin verankert.

Die Aufstellzeit des Tunnels in zwei Segmenten beträgt
ca. 15 Minuten, danach kann mit der Befüllung vor Ort begonnen werden.

Die Einführlaschen für das Gestänge an der Decke sind versetzt angebracht. So können jederzeit weitere Segmente angefügt werden. Optional können Abschlußwände eingesetzt werden, um eine Guckkastenbühne oder einen geschlossenen Raum zu erhalten.



Kostüm & Requisite

Wir - die Akteure und krimiklassischen "Special Agents" - sind ausgerüstet mit Schürzen und Geschirrhandtüchern. Der Hausmann und die Amazone, ganz im Sinne des Rollentauschs tradierter Wertvorstellungen. Unsere auf der Schürze im Briefmarkendesign aufgebügelten Fragen stellen in den Raum, was uns ganz persönlich zur eigenen Rolle im Betriebssystem "Kunst und Kultur" unter den Nägeln brennt, und wir erwarten ganz persönliche Stellungnahmen. Wer mag, kann sich identifizieren oder widersprechen und dabei uns und späteren Betrachtern Antworten hinterlassen.

Die Geschirrhandtücher aus dem Patronengürtel dienen der Protokollierung der Gespräche, die an den privaten Ränder des Kulturbetriebs stattfinden und nach "systemimmanenter" Leseart nicht dem eigentlichen "Job" zuzurechnen sind: "Deine Motivation geht niemanden etwas an", so die vorherrschende akademische Lehrmeinung. Präsentiert werden die für den Betrieb irrelevanten Aussagen, aufgehängt an einem Raster aus Schlaufen an der Decke der aufgebauten Tunnelsegmente. Protokolliert wird mittels Textilstiften und fotografisch anhand zu bedruckender Bügelfolien.



Mit den üblichen Parolen zum künstlerischen Prekariat empfehlen wir das eigens erstellte Memory swim zu spielen und geduldig zu warten, bis sich die geeigneten Schwimmwesten oder Rettungs- ringe einsammeln lassen ...

Für die Entspannung bezüglich der Kunstmarktfrage empfehlen wir das artett ...



Numisblatt - Was wir uns zu fragen hätten:

Mit unserem Gedenkblatt (Numisblatt) für die Reise durch das Begriffspaar Create and Forget haben wir uns eine Hausauf- gabe generiert, die unser Verhalten im Kulturbetrieb befragt.



[ Die Fragenshow ] mit ersten Antworten



[* 2011-07-23 beinschuss ]

Eine Fahrt zweier Agent_innen nach München: Eine Woche lang besuchen wir Freunde und Bekannte im Dunstkreis der Performance- und Theaterszene, um in mit Getränken und Mahlzeiten unterfütterten Gesprächen die persönlichen Freuden und Ärgernisse des Kulturbetriebs (und alles, was sich dazwischen so ansammelt) zu protokollieren. Vornehmlich suchen wir das Private ...

Der Plan in Kurzform

"Geschirrtuch 2.0" als Programm. Gesetzt ist eine Überdachung, wandernde Hülle für kreative Abfälle. Der Unterstand trägt die Feuchte des Abwaschs. Was auf den Plan tritt, darf notiert werden, als "Fresko" auf feuchten Geschirrtüchern, von unseren Gastgeber_innen spendiert ...

[ mehr ]



[ Bilderschau ]



[* 2011-07-24 Villa Waldberta ab 17 Uhr ]

Natürlich nicht ganz die übliche Art: Ein Treffen mit den Stipendiat/innen der Villa Waldberta und dann danach zu fragen: "Wie entfliehe ich der Kultur?" ... bereits 2008 hatte ein Protagonist von KiöR das Vergnügen, Feldafing mit allerlei Randnotizen und Fragen zum Kulturbetrieb zu drangsalieren und eine Rückantwort an die Villa zu inszenieren ...



[ Bilderschau ]

[* 2011-07-25 Englischer Garten ab 18 Uhr ]

Ein Blind Date mit Kulturarbeiter/innen aus München, nahe Biergarten - erstmal Treffpunkt am Chinesischen Turm. Anschließend mal den Stofftunnel aufbauen? Nöö - lieber Futtern und Federball und sich die alten Geschichten erzählen und den Nachwuchs zweier Emigrant/innen aus Hamburg begutachten ...



[ Bilderschau ]

[* 2011-07-26 Rößlberg ab 17 Uhr ]

Heute sind wir Gast bei Gisela Müller auf dem Rößlberg bei Tutzing ... nachdem sich ein Aufbau unseres Tunnel Sonntag und Montag nicht ergeben hat, heute zum ersten mal in der stattlichen Umgebung des Gutshofs, der einmal die Evangelische Akademie Tutzing verpflegen half ... anschließend grillen wir 5x Renke aus dem Starnberger See ...



[ Bilderschau ]



[* 2011-07-27 Freising ab 18 Uhr ]

Besuch bei der Kulturpresse und Gästen, die schon während der Olympischen Sommerspiele 1972 in München als Tanztheater agierten und besondere Erzählungen zum Wandel der Kulturproduktion zum Besten geben können. Die neue Welt der innerstädischen Aufwertung konnten wir bei der Anfahrt rund um den Hauptbahnhof München einsehen.



[ Bilderschau ]



[* 2011-07-28 Postwiese Haidhausen ab 17 Uhr ]

&outputAn der Ecke Lothringer Straße / Pariser Straße findet sich die Postwiese. Aus aktuellem Anlaß der Eröffnung des "curiosa:kultur:antiquariat" buch.laden an selber Stelle gegenüber und in Nähe zur Balan Trinkstube von Doro Wirth und anderen Institutionen machen wir dort Station, um mit Kulturarbeiter_innen aus Haidhausen zusammen zu hocken ... Punkt 16 Uhr stürzt sich ein Wolkenbruch ins Geschehen, und unser Tunnel muß im Rucksack bleiben. Doch auch ohne physisch aufgestellten Tunnel stellen sich Erkenntnisse ein, die den derzeitigen Stau im Weltgeschehen versinnbildlichen ...



[ Bilderschau ]

Derzeit schweben die Proteste gegen einen zweiten S-Bahn-Tunnel über Haidhausen - der würde aber nix am Autostau ändern ...



[* 2011-07-29 Interaktiv im Schweren Reiter ab 18 Uhr ]

Die ersten Protokolle unserer Reise sind am 29. Juli auf unseren Geschirrtüchern "online" und im Schweren Reiter sind weitere kommentarfreudige Besucher/innen eingeladen, ihre Erfahrungen zur Frage "Wie entfliehe ich der Kultur" (im Zeitalter der Eventisierung) beizusteuern ... Nebenan findet die Lecture-Performance von Tatjana Turanskyj und Sven Seeger mit einer web-Vorführung zur Bundes-Kreativ-Wirtschaft statt (Prost Mahlzeit) und eine Kinderbefragung von Beate Höhn (co>labs, Nürnberg) nach ihren Vorstellungen zur Zukunft gibt interessante Einblicke.



[ Bilderschau ]

Die beiden behaarten Protagonisten aus der Performance future lodge von Micha Purucker suchen unter Kinderstimmen ebenfalls nach Antworten ...

[* 2011-07-30 Interaktiv im Schweren Reiter ab 18 Uhr ]

Die in der Woche gestellte Frage "Wie entfliehe ich der Kultur?" beschließen wir mit einem 4-stündigen Quicky durch die Pinakotheken und die Sammlung Brandhorst. Mit einem Update des einen und einzig generell verfügbaren Kulturbegriffs im Kopf trinken wir schnell ein Bier in der balan trinkstube - der südlichsten St.Pauli Fankneipe (1:2 gegen Trier im Pokal - auch wieder so ...) und ziehen uns anschließend ein letztes Mal in unser "Ferienlager" auf der Probebühne des Schweren Reiter zurück, um uns Antworten zu holen ...



[ Bilderschau ]

[* 2011-07-31 Tschüß München ]
Abfahrt Hbf München um 8:53 Uhr ...

[ Bänkelsang nach "beinschuss" ]

Wo und wie waren wir nun eigentlich vor Ort? Konsequent veröffentlichen wir unser Kurztagebuch um zu zeigen, welche Lebensart kulturelle Begegnungen jenseits des Kampfes um Budget-Ressourcen haben können - vorausgesetzt man blendet die Konkurrenzen einfach mal ausdrücklich aus, was naturgemäß in der Fremde besser funktioniert ... [ mehr ]







[* 2011_09-21 Wettsteinbrücke Basel ab 20 Uhr ]

Als wesentlich hat sich am Mittwoch, 21. September an der Wettsteinbrücke in Basel das Ritual des Aufbaus der beiden Tunnelsegmente aus Maltuch herausgestellt. Am östlichen Ende des städtischen Rheinstrands gelegen, beginnt hier als Promenadenausläufer eine gastronomiefreie Zone. Ein Teil der heimischen Jugendszene trifft sich hier täglich, aber auch Anwohner_innen nehmen sich den Raum unter der Brücke für Grillfeste und der ansäßige Kinderladen führt hier seine Meerschweinchen Gassi. Im überirdischen Fundament der Brücke ist das Vereinslokal der Fischer untergebracht, die gegen 21 Uhr die Ghettoblaster auf dem Rasen mit Sangeskunst ablösen. Die meisten "externen" Besucher_innen hielten sich aufgrund des 20-minütigen Aufbaus erstmals so lange an diesem Ort auf und waren fasziniert von den drumherum stattfindenden Dynamiken. Insofern hat die Installation als Performance der Abgrenzung den Ort erst ausdrücklich präsentiert. Auch die Jugendszene hat sich - als nunmehr "Parallelveranstaltung" - größte Mühe gegeben, sich szenisch zu produzieren ...

Im Fokus steht wieder die persönliche Haltung gegenüber kulturellen Events und Leistungen. Anhand eines weiteren Numisblatts können die Besucher_innen ihre Standpunkte mittels Textilstiften auf bereitgelegten Handtüchern hinterlassen.





Zwischen dem 13. und 24. September waren die Tunnelsegmente im Kaskadenkondensator in Basel aufgebaut und dienten auch als Schlafraum ...

Mehr unter { Die Nacht und das Flüstern }*



 

Impressum | Info